Leseprobe zum Buch „Liebe“
Du
Du legst deine Liebe auf meine Schatten
Sie sind nicht mehr dunkel,
nicht mehr so kühl.
Und wenn ich falle, dann fängst du mit Matten
Den furchtbarsten Sturz auf, dass ich ihn nicht fühl.
Du schiebst deine Liebe in meine Träume.
Kein schwarzer Alb mehr,
der mich niederdrückt.
Dein Lächeln erfüllt mir die weitesten Räume.
Du hast meine kalten Fassaden verrückt.
Wenn du mir nah bist,
kann mich nichts mehr schrecken.
Plötzlich hab ich Mut.
Du ziehst mich zu dir,
ich muss nichts verstecken.
Alles ist gut…
Bilanz
Die Hälfte des Lebens ist ungewiss.
Wie berechnet man Leben? Nach Jahren?
Wie bucht man Momente, so dass etwas bleibt
im Nettoabschlussverfahren?
Zwischen den Zahlen erwuchs eine Liebe:
samtene Himmel in Sehnsuchtsweiten.
Das taktet sich nicht nach Kalendern.
Das bleicht nicht dahin mit dem Scheiden.
Was kümmern mich Stundenschläge?
Meine Hülle – eine Hütte auf Zeit.
Das Ewige lebt in der Liebe,
die alle Zweifel verzeiht.
Text über die Lesung des Buches „Warum nach dem Mond greifen“ von der Internetseite der Sächsischen Landeszentrale für politische Bildung:
Der Nahe Osten ist viel mehr als Feindseligkeiten, Hass und Krieg. Es geschehen zahllose Geschichten, die den Weg zum Frieden, respektvollem Miteinander und zur Hoffnung vorleben.
Michael Touma erzählt in seiner Lesung von so einer, ganz persönlichen, Geschichte − der Geschichte seiner Eltern. 1949, ein Jahr nach Gründung des Staates Israel, begegnen sich die junge Jüdin Haya und der palästinensische Intellektuelle Emile in Haifa. Zwischen beiden entflammt eine Liebe, die in ihrem Umfeld auf Ablehnung und Widerstand stößt.
In der Lesung verbindet Michael Touma Fotos, Videos, eigene literarische Texte mit Auszügen elterlicher Briefe und Texte. Er zeigt die Lebensreise zweier Menschen, welche die Hürden der Wirklichkeit durch Liebe zu überwinden versuchten. Touma erzählt eine lokale und gleichzeitig universelle Geschichte, die Fragen nach Identität, Heimat, Sinn des Leides und des Kampfes weckt.
Emile starb 1985, Haya 2009. Sie liegen nebeneinander auf dem christlichen Friedhof in Haifa. Und so symbolisch und trotz der geteilten Wirklichkeit des Landes sind sie auch nach dem Tod beieinander.
„ … und die Erinnerung an ihre Liebe leuchtet wie ein Vermächtnis.“ (Touma, Michael: „Heimat“)
